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Mo. bis Fr. 10 –17 und Sa. 10 –13 Uhr

Federer gewinnt in einem unglaublichen Spiel

Gegner Jo-Wilfried Tsonga zeigt spektakulär, dass er wieder da ist

Es war eines der besten und spannendsten Spiele der gesamten Turniergeschichte bei den NOVENTI OPEN in Halle. Roger Federer, Rekordchampion des Turniers, rang in einem hochklassigen Duell den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga nieder. Und niederringen trifft es bei diesem 7:6(5), 4:6, 7:5 hier wirklich.

Das Match dauerte 2:16 Stunden, doch es war so intensiv wie fünf Stunden bei einem Grand Slam. Wer noch geglaubt hatte, dass Tsonga nach langer Verletzungspause den Anschluss an die Weltspitze sucht, der irrt. Er hat ihn längst gefunden. Die Partie wäre eines Finales würdig gewesen und erinnerte sehr an das große Haller Endspiel von 2005 zwischen Roger Federer und Marat Safin : zwei Spieler auf Augenhöhe und in Topverfassung. Ende offen.

Dabei sah es zunächst nach einem sicheren Sieg Federers aus. Der hatte den ersten Satz knapp für sich entschieden, nach dem er schon 0:3 im Tie-Break zurückgelegen hatte. Er legte sofort ein Break im zweiten Durchgang nach – Tsonga war raus. Oder doch nicht? Der Mann weiß aber, wie man Federer schlägt. Hat immerhin sechs der 17 Duelle gewonnen und vor allem das einzige auf Rasen 2011 in Wimbledon – nach 0:2-Satzrückstand. Mag sein,  dass Federer sich daran erinnerte, als der Franzose (34) das Re-Break machte und aufspielte, als gäbe es kein Morgen. Da half dem Schweizer selbst ein Ass mit dem zweiten Service nicht. Spätestens beim 3:3 im zweiten Durchgang kochte die Stimmung im  Stadion über. Als Federer bei eigenem Aufschlag im zehnten Spiel wankte, griff Tsonga unwiderstehlich zu: Satzausgleich!

Der dritte Satz war dann phänomenal spannend. Beide spielten hochaggressiv, servierten stark. Der Franzose kam insgesamt auf 15 Asse, der Schweizer auf 7.  Tsonga hatte dann den ersten Breakball, als Federer im sechsten Spiel einen kinderleichten Volley ins Netz schlug. Doch der Maestro zog den Kopf aus der Schlinge. Dann das elfte Spiel: es beginnt damit, dass Federer einen 231 Stundenkilometer schnellen Aufschlag noch returniert und ein 0:15 holt. "Da habe ich die Ecke erraten und hatte etwas Glück, weil der Ball nur mit dem Rahmen gespielt war", so der Wimbledon-Rekordsieger: "Aber dieser Punkt war sehr wichtig, denn damit gerät er beim Aufschlag unter Druck." Stimmt - es folgt ein 0:40 und das Break. Danach serviert er zum Abschluss, bekommt durch einen Netzroller den Matchball und schließt die Achterbahnfahrt mit einem Ass ab. 11.500 Fans toben. Und der Maestro befindet: „Das hat Spaß gemacht, so ein unglaubliches Match.“ Tsonga habe traumhaft serviert, das Niveau plötzlich erhöht. „Vielleicht war ich etwas glücklicher als er – und das Publikum war riesig. Danke dafür.“ Am Netz sagte er seinem Gegner noch, dass er froh sei, dass Tsonga und sein spektakuläres Spiel wieder zurück auf der Tour sind. "Und das meinte ich auch so", betonte Federer.

Nun wartet Roberto Bautista Agut. Gegen den hat Federer in acht Matches nie verloren. Doch der Spanier hat sich weite Teile der Partie von der Tribüne aus genau angeschaut. Vielleicht hat er ja eine Schwäche entdeckt.  

Lieferte ein dramatisches Match ab: Roger Federer. FOTO: NOVENTI OPEN/KET
Schade, es hat nicht ganz gereicht: Jo-Wilfried Tsonga verabschiedet sich vom Publikum. FOTO: NOVENTI OPEN/KET
Ich hab's: Roger Federer ist extrem erleichtert, dass er diese Prüfung überstanden hat. FOTO: NOVENTI OPEN/KET