Borna Coric feiert Premierensieg in Halle/Westfalen

Roger Federer verpasst seinen 10. Titel bei den GERRY WEBER OPEN

Aus der großen Jubiläumsparty des Roger Federer wurde nichts. Der Sieger der 26. GERRY WEBER OPEN 2018 heißt Borna Coric! In einem hochklassigen und packenden Finale setzte sich der kroatische Underdog mit 7:6 (6), 3:6, 6:2 gegen den Haller Seriensieger Roger Federer durch, holte seinen ersten Sieg gegen den Schweizer überhaupt und feierte den ersten Rasen-Titel seiner noch jungen Karriere. Federer verpasste damit seinen 10. Titelgewinn in der ostwestfälischen Lindenstadt. Durch die Final-Niederlage des Schweizers steht ab Montag der Spanier Rafael Nadal wieder an der Spitze der Weltrangliste. Federer war vor dieser Partie 20 Matches auf Rasen in Folge ungeschlagen geblieben. 

Roger Federer wollte seinen Jubiläumstitel bei den 26. GERRY WEBER OPEN mit aller Macht. Das war im mit 11.500 Zuschauern ausverkauften GERRY WEBER STADION vom ersten Ballwechsel an deutlich zu spüren – und die zahlreichen Fans der Tennis-Ikone halfen ihrem Idol, wo sie nur konnten. Unter dem geschlossenen Dach zeigte der Favorit aus Basel sofort Präsenz und ließ gerade bei eigenem Aufschlag zunächst keine Zweifel an seiner Dominanz aufkommen. Kamen einmal längere Ballwechsel zustande, entwickelte sich aber prompt eine hochklassige Begegnung in der Coric dem Weltranglistenersten absolut auf Augenhöhe begegnete. Der erste Kroate, der je das Finale in Halle/Westfalen erreichte, präsentierte sich als sehr stabiler Präzisionsarbeiter, der Federer – spätestens nach dem sich die Anfangsnervosität gelegt hatte – alles abverlangte. So war es auch keine große Überraschung, dass Federer bereits zum vierten Mal in dieser Turnierwoche in den Tie-Break musste. Dort sah der Schweizer schon wie der sichere Sieger aus, doch die schwache Chancenverwertung brachte den Eidgenossen in dieser Phase um den Lohn der Arbeit. Ließ er zuvor bereits zwei Breakchancen ungenutzt, blieben nun gleich zwei Satzbälle auf der Strecke. Coric zeigte sich trotz seiner erst 21 Jahre extrem abgeklärt, machte ab dem 4:6 bvier Punkte in Folge und sorgte mit dem Satzgewinn für ungläubiges Staunen im weiten Rund. Kurios: Federer hatte in diesem ersten Satz fünf Punkte mehr geholt als sein Gegner, stand am Ende aber dennoch mit leeren Händen da.  

Wie der Kroate sich immer wieder dem druckvollen Spiel des Weltranglistenersten stellte, war schlichtweg beeindruckend. Nebenbei untermauerte er auch, dass sein Auftaktsieg gegen Alexander Zverev keine Eintagsfliege war, und widersprach allen Kritikern, die ihn auf Rasen bisher deutlich schwächer eingeschätzt haben. Vor diesem Turnier gewann der Mann aus Zagreb auf diesem Belag nur ganze zwei Matches. 

Der Maestro steckte den Dämpfer schnell weg und hatte im zweiten Satz letztlich deutliche Vorteile. Weitgehend ohne Probleme brachte er seine Aufschlagspiele ins Ziel, agierte zudem äußerst druckvoll beim Return, minimierte seine Fehlerquote und hatte jetzt auch das kleine Quäntchen Glück auf seiner Seite. Konnte Coric zunächst zwei weitere Breakchancen abwehren, unterlief ihm im nächsten Anlauf des Schweizers ein vermeintlich leichter Volleyfehler. Die Erlösung für Federer, denn nur wenige Augenblicke später gelang der Satzausgleich (6:3) und die Uhren standen wieder auf Null. 

Roger Federer spielte jetzt vielleicht sein bestes Tennis in dieser Turnierwoche, doch auch Borna Coric ließ sich so schnell nicht kleinkriegen und legte noch mal eine Schippe drauf. Der Youngster schlug immer besser auf und wurde dadurch noch mutiger. Das sollte sich im sechsten Spiel auszahlen. Coric erzwang mit knallharten Grundschlägen die erste Breakchance des Satzes, Federer verzog einen Rückhandslice und plötzlich stand der Seriensieger der Gerry Weber Open mit dem Rücken zur Wand. Einen Matchball bei eigenem Aufschlag konnte Federer noch abwehren, doch kurz darauf beendete der Schweizer selbst mit einem Volleyfehler das Match. Ein Fehler, der durchaus sinnbildlich für seine wechselhaften Leistungen in dieser Woche stehen könnte. 

„Ich habe das nicht erwartet. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich hier mein erstes Turnier auf Rasen gewonnen habe und das auch noch gegen Roger Federer“, rang Borna Coric nach seinem großen Triumph um Worte. 

„Ich habe wirklich alles probiert, bin aber leider knapp gescheitert. Borna hat es heute gut zu Ende gespielt. Er war in den wichtigen Momenten einen Tick besser und spielte sehr konstant. Das hat er hervorragend gemacht und deshalb hat er auch absolut verdient gewonnen. Das Publikum war mal wieder ein Traum. Wir sehen uns im nächsten Jahr“, versprach Roger Federer nach seiner ersten Final-Niederlage im GERRY WEBER STADION seit sechs Jahren. Dort unterlag er im Endspiel gegen Tommy Haas. 
 

Roger Federer (links) verlor erstmals seit sechs Jahren wieder ein Finale der GERRY WEBER OPEN und unterlag Premierensieger Borna Coric (rechts) in drei Sätzen. Foto: GERRY WEBER OPEN/KET